Allegra, viva, a revair, so tönt es in Zuoz im Engadin (1692m), dem Ausgangspunkt der diesjährigen Skitourenwoche der Seniorinnen und Senioren des SAC Huttwil. Das Ortsbild von Zuoz gilt als schönstes im Oberengadin. Der historische Dorfkern und die stolzen, palastähnlichen Patrizierhäuser bilden mit unserem Hotel Klarer und der Chesa Albanas die tägliche imposante Kulisse. Bei Rita und Christophe Klarer liegen wir gerade richtig: Restorant, Furnaria und Pastizeria in einem. Die Atmosphäre warm, der Geruch der Altarven lässt sofort alpine Gemütlichkeit aufkommen.

Was die Engadiner uns anbieten, wird von Hans-Ueli Sommer und Robert Zwahlen, unsere langjährigen, bewährten Tourenleiter, ohne wenn und aber nachgefragt. Mit der jeweils auserlesenen Tourenwahl entfliehen wir der Hektik und den Menschenmassen. Jeder sucht die sportliche Herausforderung im Aufstieg und findet im Gipfelerlebnis und der anschliessenden Abfahrt die wohlverdiente Belohnung. Dies gilt sinngemäss ebenso für unsere Schneeschuhläufer und Langläufer.

Auf der ersten Tour zum Piz Arpiglia (2765m), bei kaltem und klarem Himmel, geben nicht die Zeit, nicht die zurückgelegten Höhenmeter den Ton an. Die kleinen Schönheiten zu entdecken, die an verschiedenen Spuren und Pfaden gerne übersehen werden, stehen im Vordergrund. Die lange, rassige Abfahrt auf nordseitigen Hängen, alles durch stiebenden Pulverschnee, ist ein echter Highway to heaven. Der Aufstieg am zweiten Tag auf den Munt Griatschouls (2769m) liegt am südseitigen Sonnenhang und sorgt für wohlige Wärme. Beim Posen für das Gipfelfoto wird gewitzelt und gedrängt, was das Zeug hält. Nach der Abfahrt über Sulz und schwerem Pfluder wissen alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer: Schnee ist ein komplexes Gebilde und ändert sich erst noch ständig. Der dritte Tag mit unverändert herrlichem Winterwetter beginnt mit dem Zug nach Madulain (1697m), danach geht’s im Doppelpack zum Belvair (2822m) und Pizzet (2908m). Wir tanken begierig die klaren Farben, den Geruch von Schnee und Stein sowie die Stille auf. Mit Blick auf das 360Grad umfassende Bergpanorama lässt es sich vortrefflich entspannen. Die abschliessende Abfahrt über die Pizzetpiste bestätigt es einmal mehr; in guter Gesellschaft machen Skitouren doppelt Spass. Am vierten Tag steigt die Engadiner Morgensonne erneut hoch und scheint ein riesiges Bild zu malen: Das Engadin ist in der Tat das Tal des Lichtes. Von Plaun da Ley, wo wir mit dem Bus hergeführt werden, peilen die Tourenleiter heute den Piz Grevasalvas (2932m) an. Der Aufstieg in der wärmenden Sonne ist eine Wohltat für Körper und Geist. Auf dem Gipfel präsentieren sich unzählige Land- und Talschaften, Gipfel und Grate, dazwischen die Bernina- und Scioragruppe im Süden, im Norden der Piz Platta, Piz Scalotta, Piz Agnel und Surgonda. Hier kann man die Zeit vergessen, niemals aber den Moment. Ein breites Couloir lädt bei der Abfahrt zum Salsa-Tanzen auf Pulverschnee ein und jeder fühlt sich als Padlatschikov in einer gigantischen Hafpipe. Irresistibile!  

Der letzte Tag bringt neben leichtem Gewölk nochmals den Beweis, dass es nichts Besseres gibt als das Beste. Die Wahl fällt auf die Es-cha Hütte (2594m). Beim Aufsteigen gucken aus aperen Stellen robuste Erikasträucher hervor, ein paar wärmende Tage noch und sie outen sich in duftendem Frühlingsrot. Das Tagesziel eignet sich hervorragend zum Relaxen, einfach genial, excellent, aber nicht abgehoben. Trotz aufkommenden Nebelschwaden, die den angekündigten Wetterumsturz signalisieren, ist hier die lockere Atmosphäre die Bühne der Gefühle. Eine lange, rassige Abfahrt in führungssicherem Sulzschnee stellt den Abschluss der diesjährigen in jeder Hinsicht perfekt kombinierten Tourenwoche dar.

Zuoz und das Engadin sind seit jeher nicht der Ort, wo der Abschied leicht fällt, erst recht nicht nach diesen tollen Tagen, wo jeder so richtig nach seiner Facon punkten konnte. Die einen schliessen ab mit einem Konzert der Engadiner Ländlerfründe im Caferama Badilatti, die anderen mit einem Darmvirus im Bett. Für die einen ein weiteres Highlight, für die anderen bedauernswertes Pech. Robi und Hans-Ueli wissen, für eine unvergessliche und eindrückliche Tourenwoche muss man nur eines berücksichtigen: alles! Es ist unmöglich, dass alle Tourenfahrerinnen und Tourenfahrer immer alles richtig machen, bei Hans-Ueli und Robi schon, vor allem, wenn der Schnee die ganze Woche wie Puderzucker leuchtet. Grazia fitsch unseren beiden Tourenleitern für das Dolce far molto, den Höchstgenuss ohne Time out und die besten Must-haves der Saison. Der Dank gilt ebenso unserem treuen Schoför Dieter Saladin, er wie immer, ein sicherer Wert.