Skitouren mit Yoga im Val Müstair 24.2.-2.3. 2019

Das südöstliche Tal Graubündens schreibt viel Geschichte. Karl der Grosse hat hier im 8. Jahrhundert mit der Klostergründung Entscheidendes geschaffen. Heute noch von 12 Benediktinerinnen bewohnt ist es UNESCO Weltkulturerbe. Die Fresken aus dem frühen Mittelalter in der Klosterkirche sind frisch renoviert und strahlen in neuem Glanz.

Oder die sportliche Erfolgsgeschichte um die einheimischen Langläufer? Zwischen den Grenzen zweier Nationalpärke lernten sie auf den bestehenden Loipen national wie international zu bestehen.

Auch die rätoromanische Sprache als kulturelles Erbe, Sitten und Bräuche und die intakte Natur werden nachhaltig und sorgfältig gepflegt.

Wer weiss schon etwas über das nie realisierte Bahnprojekt, eine Verbindung vom Unterengadin über den Ofenpass ins obere Vinschgau und weiter nach Triest. Erste Pläne gab es bereits um 1895. Die Aussichten auf wirtschaftlichen Erfolg waren nicht schlecht, gab es doch im Kanton Graubünden ein Fahrverbot für Personenkraftwagen! Per Volksabstimmung wurde es im Jahr 1925 aufgehoben. Der Ausbruch des ersten Weltkrieges und die Annektierung Südtirols durch Italien machten die Pläne für die Bahn definitiv zunichte.

Wir sind in Valchava im Hotel Central bestens untergebracht. Der SAC Huttwil hat hier quasi ein Dauerabonnement. Unsere Gastgeberin Claudia Bättig und ihr Team versorgen uns umsichtig und überaus freundlich. Wir geniessen die grosszügigen Zimmer, die erholsame Sauna und freuen uns jeweils sehr auf den feinen 3-Gänger am Abend und das reichhaltige Frühstücksbuffet, das uns mit neuer Kraft versorgt.

Man sucht ihn weit, den stimmigen Yogaraum, wie er uns hier zur Verfügung steht. Je nach aktuellem Tagesprogramm gestaltet Schang sein Programm anders, mal liegt das Gewicht mehr auf der achtsamen Atmung, mal entspannen und koordinieren wir, Leichtigkeit und Achtsamkeit pflegen wir bewusst, wir strecken und dehnen, halten den Geist jeweils hellwach, lassen den Körper aber ruhen. Guter Dinge, heiter, gelöst, gelassen und relaxed geniessen wir anschliessend das langersehnte Tschliner Bier oder einen guten weissen Tropfen aus dem nahen Südtirol.

Touren im Biosphärenreservat

Da die lange Anfahrt am Anreisetag keine Tour mehr zulässt, nutzen wir die Gelegenheit, um unter Hansruedis Leitung eine LVS Übung (Lawinenverschüttetensuchgerät) durchzuführen. Die vergrabenen Geräte versuchen wir möglichst zielstrebig und schnell zu orten und auszugraben. Wir sind uns sehr bewusst, dass es im Ernstfall auf jede Minute ankommt, die Handhabung des LVS zwingend geübt werden muss. Zu einem späteren Zeitpunkt werden wir auch üben, gezielt und schnell in einem Lawinenkegel ein potenzielles Opfer auszugraben. Hier kommt man schnell an seine physischen Grenzen.

Der Montag präsentiert sich mit prächtig blauem Himmel. Wir fahren über den Ofenpass, parken in Buffalora, um den Berg gleichen Namens zu besteigen. Gemütlich aufwärts zur Alp Buffalora (2038 m), dann steiler steigend auf ein Hochplateau. Vereinzelte Föhren, Arven und Lärchen begleiten den Aufstieg. Nach zwei Stunden und 600 geschafften Höhenmetern ist der Gipfel des Munt Buffalora (2630 m) erklommen. Das Ortlermassiv, die Berninagruppe, Piz Daint und Val Mora eröffnen die geniale Rundsicht und lassen uns bei warmem Sonnenschein und angenehmer Temperatur die Rast geniessen. Pulver lässt sich keiner mehr finden, die Abfahrt gleicht einer Piste, die Schwünge fallen leicht. Wir unterbrechen die Abfahrt, rekapitulieren das Wissen vom Vortag, schwitzen und schnaufen als es gilt den «Verschütteten» aus dem Lawinenkegel auszugraben. So gross haben wir uns die Fläche nicht vorgestellt, die es gilt freizulegen! Den grossen Durst nach der angenehmen Tour stillen wir an der Sonne im Restaurant Buffalora.

Der Piz Terza, unser Tagesziel vom Dienstag, liegt genau auf der Landesgrenze und ist fantastischer Aussichtspunkt. Ausgangspunkt ist das Dorf Lü. Ueli hat heute den Lead und zieht mit der ersten Gruppe durch Lärchenwald und Forststrasse zur Alp Valmorain auf 2193 m. Die Sicht wird zunehmend schlechter, die Spur steiler, die Spitzkehren häufiger. Mehrere kleine Steilstufen gilt es zu bewältigen, dann ist der Gipfel mit einem schönen Gipfelkreuz erreicht. Genau jetzt tut sich die Sonne hervor und präsentiert eine atemberaubende Fernsicht. Wir sehen ins Ötztal, zur Berninagruppe und ins Val Müstair. Entlang der Aufstiegsspur kurven wir gekonnt südseitig bei guter Sicht hinunter nach Lü. Im «Hirschen» kehren wir ein, geniessen unter einer lauschigen Laube die restliche Sonne und lassen die Tour Revue passieren.

Für heute Mittwoch ist die Königinnentour angesagt, der Piz Dora drängt sich bei besten Bedingungen auf. Vier Abtrünnige beeindruckt das wenig, sie haben sich ein eigenes, weniger anstrengendes Programm, zurechtgelegt. Ausgangspunkt für die 1300 Höhenmeter ist das Nachbardorf Tschierv. Die Ski speditiv aus dem Bus geladen, aus dem Bündel Skistöcke die richtigen herausgefischt, so startet die Gruppe gerüstet die ersten Meter entlang der Langlaufloipe. Steil zweigt die Route in den Wald, wo sie sich wenig später verliert und den Tourengängern nun einiges an Konzentration abverlangt. Eine Flurstrasse führt zurück auf die leicht ansteigende Normalroute. Das GPS hatte sich geirrt!

«Stogle» an den Fellen erfordert Handeln, wer bietet den besten Wachsservice? Nach kurzer Rast verläuft der weitere Aufstieg in herrlichstem Sonnenschein. Die Gipfelrast wird ausgiebig und lang, sie verleitet zu waghalsigen Yogastellungen die dem abwesenden Yogi per whatsapp übermittelt werden. Ein heransegelnder Bartgeiger unterbricht die Ruhe und lenkt vom überwältigenden Panorama ab. Nach dem langen Aufstieg freut man sich auf ein Hinuntertauchen auf der griffigen Unterlage, bei hellwachem Geist und jauchzendem Herzen. Die Chauffeure kämpfen sich durch die hindernisreiche Steilstufe zum Bus, während die andern bis nach Fuldera, direkt auf die Sonnenterrasse des Restaurants zufahren.

Der Piz Chalderas, was soviel wie Kessel, Becken bedeutet, ist das ausgesuchte Ziel des heutigen Tages. Wie auch schon, zwingt uns die verreiste kurvenreiche Umbrailstrasse, die Ketten zu montieren, was ein Weiterfahren ermöglicht und sicherer macht. Auf 1800 m starten wir, der Weg führt steil durch dichten Bergwald, bis wir auf offeneres Gelände stossen. Sportliche und athletische Spitzkehren führen uns immer näher dem Gipfel zu. Ein türkisfarbener Helm löst sich ohne Vorwarnung aus der Verankerung und kugelt in den Wald. Dient er in Zukunft einem Häschen als Nest? Stetig gewinnen wir Höhe und erreichen den eher flachen und unscheinbaren Gipfel. Die Aussicht entschädigt für alle Schweisstropfen und trotz des unsympatischen Lüftleins geniessen wir die Pause. Endlich gelingt auch das Gipfelfoto mit Selbstauslöser. Steif vor Kälte wagen wir uns an die lange Abfahrt nach Sta.Maria. Weite Hänge teilweise noch mit Pulverschnee warten auf uns, die Steilstufen und die Passage dem Bach entlang erfordern Wendigkeit und schnelle Reaktion. Der schmale Steg über den Bach ist nicht jedermanns/frau Sache. Auf der herbeiersehnten Strasse lässt sich die Fahrt entspannter fortsetzen. Der Bus bringt uns die letzten Meter nach Sta. Maria hinunter, wo uns Lisa ins Hotel Stelvio zum Durstlöschen einlädt.

Für den heutigen Freitag sind die Wetterprognosen nicht die besten. Da blauer Himmel und Sonnenschein locken, entscheidet sich Jörg für die geplante Tour. Obwohl hier Chalanda Marz gefeiert wird, die Vertreibung des Winters durch die Schuljugend des Tales. Peitschenknallend, mit Kuh-und Ziegenglöcklein bimmelnd, singend, zieht die Jugend durch die Dörfer. Dieses Spektakel verpassen wir leider. Wir starten kurz vor dem Ofenpass und haben den Piz Daint im Visier. Durch ein liebliches Wäldchen und den typischen Arvenwald gewinnen wir an Höhe. Ohne Spitzkehre geht auch heute nichts, zusätzlich ist der Schnee hartgepresst und nicht griffig. Die Sonne hat sich verzogen, Bewölkung zieht auf, es beginnt zu schneien. Für die letzten 300 Höhenmeter montieren wir die Harsteisen. Es wird garstig, die Motivation sinkt, umso mehr da der Gipfel keine Aussicht verspricht. Etwa 50 m unter dem Gipfel nehmen wir die Abfahrt in Angriff. Das Gelände ist steil, der Schnee hart und bucklig, die Sicht schlecht. Ueli fährt souverän voraus, wir folgen in Kolonne. Im Wald dann geht es besser, im Slalom umkurven wir Bäume, romantisch schlängelt sich der Weg dem Bach entlang. Der leise Schneefall macht die Tour zum einmaligen Erlebnis. Im Buffalora Restaurant gibt es die wohlverdiente Stärkung nach der Anstrengung.

Wir schauen zurück auf eine geglückte Woche: der Wettergott war uns hold, das Val Müstair ein ungewöhnlich schönes und reiches Tal, das Hotel Central mit der charmanten Gastgeberin Claudia und dem ganzen aufgestellten Team lockt zum Wiederkommen. Schang hat uns durch inspirierende und entspannende Stunden geführt, und nicht zu vergessen unsere beiden Leiter, die uns unfallfrei, kompetent, humorig, (wir haben viel gelacht) durch die Woche begleitet haben. Ihnen gilt unser grosses und herzliches Dankeschön. Nicht vergessen möchte ich die Fahrer des Busses, die uns jeweils sicher transportiert haben. Ein grosses Merci auch ihnen. Wir sind gespannt auf 2020 und freuen uns schon jetzt.

Erika Friedli