Skitour Tödi

Katzenhagel ist angesagt für das Wochenende über den Monatswechsel April- Mai 2016. An eine Tour auf den von jeher unnahbaren Tödi wagen nicht einmal die kühnsten Optimisten zu denken. Dann hat doch alles seine Fortsetzung mit dem SMS von Reto:

< tödi ersatz nächsten mi/do. wer Lust und Zeit hat soll sich melden, gruss reto >.

Alle Wetterstationen sind sich einig zu einem Schönwetterfenster am Donnerstag. Also denken sechs SAC-ler und eine –lerin und melden sich bei Reto an. Eigentlich erstaunlich, denn es gibt ja noch angebundene Erwerbstätige, nicht nur freie Frühpensionierte.

Nach dem Kafi im Bahnhofbuffet von Linthal mit etwas sonderbarer Bedienung wird der Kleinbus gestopft bis zum Bersten und auf den Urnerboden verschoben. Die Gondel auf den Fisetenpass bringt uns in eine traumhafte Winterwelt. Jeder steckt die Stöcke in den glänzenden Pulverschnee, in Gedanken wohl schon bei der Abfahrt vom Tödi. Aber halt, schön der Reihe nach. Über den Gemsfairenstock, wo erstmals Gipfelgratulationen ausgetauscht werden, fahren wir steil in die südliche Geländekammer gegen Ober Sand. Leider nichts mehr mit Pulver. Schwer und nass liegt der Schnee nun da. Nur der kurze Abstecher für die Nimmermüden auf den Geissbützistock beglückt mit einigen schönen Schwüngen bei der Abfahrt im Pulver. Lange fast 3 Kilometer müssen noch erkämpft werden bis zum kühlen Trunk in der Fridolinshütte. Die Abendsonne scheint zu halten, was die Wetterpropheten versprochen hatten: Morgen wird ein Bombentag !! Obwohl die Gemütlichkeit der Hütte und die freundliche Bedienung zu längerem Aufbleiben verlockt, kehrt früh Ruhe ein bei Fridolin.

Nach reichhaltigem Zmorge, noch mit der Stirnlampe bewaffnet, wird nach kurzer Abfahrt und Traverse der Bifertenfirn erreicht. Fritz und Reto haben sich für eine eigene Route entschieden und wir halten uns an die geografisch rechte Seite des Gletschers. Ein loses Steigfell knapp über dem steilsten Teil der Flanke hält uns kurz auf und prompt geraten wir in einen Stau in der zweiten, oberen Spaltenregion: Stau am Tödi ! Dann aber ab in die Sonne und Tee trinken. Noch erheben sich 800 Höhenmeter vor uns. Zum Glück können wir nun von einer angelegten Spur profitieren, die eine gute Seele für uns in den tiefen Schnee gezogen hat. DANKE dem Unbekannten ! In der südgerichteten Seite zwischen Piz Russein und dem Glarner Tödi setzt willkommen sanft und kühlend der Südwind ein, aber oben auf dem Grat wird er zum Orkan und droht mit erfrorenen Händen. Ueli kann davon ein Lied singen oder webern, im wahrsten Sinne des Wortes. Unvorstellbar, bloss zehn Meter oberhalb und nebenan auf dem Gipfel geht kaum ein Hauch und wir geniessen die Gipfelrast bei schönster Aussicht. Berge bieten halt schon immer wieder Überraschendes. Noch einmal, zur Vorbereitung für die Abfahrt, begeben wir uns in die Hölle beim Skidepot und wollen nur Eines: möglichst schnell runter.

Den Tödi von oben bis unten optimal zu erwischen gelingt nicht oft. Wieso Reto uns genau das bieten kann, bleibt umstritten. Jedenfalls fallen Juchzer im Pulver und im Sulz. EIN GENUSS ! Aber auch anderes fällt das eine oder andere Mal. Nach rund 2000 m Abfahrt müssen die Bretter aufgeschnallt und zum abgemachten Abholplatz beim Unter Sand gebuckelt werden. Das fällt heute leicht nach einer perfekten Tour. Wir lagern uns und warten auf das bestellte Taxi. Mit einiger Verspätung und dank vollem Einsatz von Reto kommt es doch noch und …. erster Trunk im Tal, Auto abholen, Autowechsel, Verladen, Tanken,…. danach geniessen wir ein ultraschnell serviertes, vorzügliches Menu im Restaurant Horgenberg in Mitlödi. Schneewittchen und die Sieben Zwerge haben dank einem kurzen SMS ein tolles Bergerlebnis geniessen dürfen in den Glarner Alpen. Der Tödi, so getroffen, kann wärmstens weiterempfohlen werden.

Röbu