Nichts baut besser auf als eine Wanderwoche in traumhafter Naturlandschaft und in vitalisierendem Licht der Berge. Die Seniorinnen und Senioren des SAC Huttwil genossen vom 25. Juni bis 1. Juli 2017 unbeschwerte und erlebnisreiche Tage im Bregenzerwald.

Was Ueli Sommer und Robert Zwahlen als ausgewiesene Wanderleiter bieten, ist oberster Niveau. Logiert wird in Schoppernau (850m) im Hotel Edelweiss, wo Maria-Theresia Zauser zu jeder Tageszeit Glücksmomente garantiert. Der Bregenzerwald mit perfekt beschilderten Wanderwegen, die an üppigen Wäldern und Gebirgswiesen vorbeiführen, durch malerische Weiler und Vorsässe ziehen, vorbei an sonnigen Ställen und geschindelten Heimetlis, egal wohin man wandert, der Weg ist schon das Ziel. Kulinarik, Brauchtum und Handwerk spielen im idyllischen Bregenzerwald noch eine wichtige Rolle, das spürt man als Gast jeden Tag. Das Tourenprogramm lässt für alle 35 Teilnehmer/innen keine Wünsche offen, à la carte-service mit Pfeffer und Salz für jede Anforderung, für alle immer ein easy-going.

Die Kanisfluh als markantester Berg im Bregenzerwald ist das Ziel des ersten Tages. Je nach Lust und Vermögen wird die Holenke (2044m), Wurzachalpe oder Rosstellealpe anvisiert. Der Aufstieg in gleissender Sonne ist ein echter Pulsbeschleuniger mit erhöhtem Ausstoss an Endorphin und Adrenalin. Mit dem kühlen Brunnenwasser werden die letzten inneren Lebensgeister wachgerufen. Die Fernsicht auf den Bodensee, der Säntis scheint zum Greifen nah, alles kein Voodoo-Zauber, sondern natürlich mitten in der Natur, da sind Worte überflüssig.

Der zweite Tag bringt alle Wanderer als Endziel auf den Diedamskopf (2090m), dem höchsten Punkt des Bregenzerwaldes. Von der Mittelstation gibt es über die Falzalpe, Neuhornbachalpe und Neuhornbachjoch, Steinmandl (1982m), Kreuzmandl (1924m), Falzerkopf (1968m), Kreuzle (1800m) zahlreiche Auf- und Abstiege, was viel Energie kostet. Ein lauer Wind verwebt das ferne Herdengeläute mit dem Geruch von Wiesenblumen: goldgelbe Arnika, leuchtend blaue Enziane und Teufelskrallen, schneeweisser Bärenklau, duftender Männertreu, robuste Kratzdisteln, wattenreiche Grasteppiche und Moortümpel, ein Farbenspiel lichtdurchflutet – einfach malerisch. Vom Diedamskopf geniessen alle das 300-Gipfel-Bodenseepanorama; der Diedamskopf ist wirklich der Gipfel punkto Aussicht.

Das Wetter ändert am dritten Tag, aber die Stimmung bleibt unverändert hoch. Es gibt ja kein schlechtes Wetter, nur unangepasste Wanderer. Bus und Auto führen auf den Hochtannenbergpass (1670m) zur Grenze zum Arlberg. Über die Saloberalm, Auenfeldalpe wird ohne grosse Höhendifferenz zum Körbersee gewandert, vorbei an sommerlichen Farben wie Kardamon, Safran, Chili und Zimt. Die Senioren suchen hier nicht den ultimativen Kick oder Nervenkitzel, sondern vielmehr den Genuss, den unvergesslichen Moment und ein Stück unbeschwertes Lebensgefühl. Der Körbersee gilt als eine Oase der Erholung und Entspannung, abseits von Hektik und Verkehr. Im Hotel weht ein Hauch traditioneller Eleganz und modernem Flair.

Trotz düsteren Prognosen ist das Wetter am vierten Tag insgesamt wohlgesinnt. Die Fahrt geht nach Damüls (1430m), mit dem Uga-Express auf die Uga-Alpe (1830m), wo frischer Wind und Regen um die eigene Achse drehen. Das Wetter so la la, die Sicht miserabel und die Motivation unverändert gross. Nebelartige Wolken verspeisen das heutige Tagesziel Hochblanken (2068m), Ragazerblanken (2051m) und Portalhorn (2010m). Bei heissem Kaffe in der Elsenalpstube wird angeregt geplaudert, debattiert und gelacht. Die Tourenleiter müssen einiges einstecken, aber ihr networking zu Petrus funktioniert einwandfrei. Das Wetter hellt auf und ein Stimmungshoch macht sich breit. Der Schweiss rollt und er ist das Eintrittsgeld für eine eindrückliche Fernsicht. Mit Impuls sind alle am Puls; auf der Ragazerblanken treffen sich Uelis und Roberts Gruppe; letztere will ums Verrecken nicht auf alle Gipfel….. Über die sieben Hügel folgt der Abstieg nach Damüls. Alles kann, nichts muss, ein besonderes Gefühl, das niemals endet.

Allzu rasch kommt der fünfte Tag. Die Autofahrt folgt nach Bezau (650m), wo die schnellste Seilbahn Österreichs alle Wanderer entweder auf die Mittelstation Sonderdach (1208m) oder auf die Bergstation Baumgartenalpe (1624m) befördert. Alpe Windmoos, Stongeralpe, Stongerhöhenalpe (1644m), vordere Niedere heissen für die einen die Zwischenetappen, während die anderen den Panoramaweg auf der Baumgartenalpe ins Visier nehmen. Alle fühlen sich frei von Smartphone und Terminkalender, spüren ihren Körper, hören ihren Atem, bewegen gleichzeitig mehrere Muskeln. Akku-Stationen braucht es nicht und trotzdem ist immer „on the road“ gewährleistet. Alles brilliert, funkelt und punktet. Es wird nicht nur in die Ferne geschaut, denn in der Nähe gibt es erneut eine üppige Blumenpracht zu bestaunen. Wie am Fensterplatz im Flugzeug geniessen alle die Himmelsliegen und Logenplätze mitten in der Natur. In der Kapelle St.Theodul wird kurz eingetreten und still aber mit viel Stil ertönt harmonisch und wohltuend Adolf Stählis „Mis Veieli“: Heute ein Moment, morgen ein bleibendes Ereignis. Mit einer deftigen Zwischenmahlzeit im Niedere Bergrestaurant findet der letzte Tag seinen Abschluss.

In den Bregenzerwald zu kommen, ist ein wenig wie in eine andere Welt einzutauchen. Man kann nie genug bekommen, aber man kann ja wieder kommen. Die Wanderleiter Ueli und Robi führen nicht nur über einfach hochwertige Routen, sie bringen vielmehr auch Achtung und Wertschätzung zur Natur mit. Dank ihrer Sach- und Sozialkompetenz ist alles immer ein bisschen besser, immer überall, gleichzeitig, grundsätzlich und sowieso. „Merci viumau, servus und bhüet euch!“

02.07.2017

pfa