Osterschitouren Binntal

Karfreitag: Einstieg über den Holzerspitz

Kaum zu glauben, aber die zwei Autos, die aus komplett verschiedenen Richtungen in aller Frühe ins Wallis gefahren sind, treffen sich auf die Sekunde am Abzweiger nach Ernen. Lange zieht sich das Strässchen noch bis nach Fäld hinter Binn, wo sich die acht Ostertüüreler begrüssen und mit Bedenken an den Südhang über den Häusern hochblicken: Da sollen wir rauf? Wo bleibt der Schnee? Nun, der erste Schock wird noch mit einem Kaffee (mit äusserst freundlicher Bedienung) besänftigt und wohl deshalb ist dann der Aufstieg über die Alpstrasse und durch den Wald Richtung Gandhorn gar nicht so schlecht. Trotz des leichten Gemisches aus Nieselregen und Schneefall und entsprechend schlechter Sicht kommen wir gut voran bis zum Holzerspitz. Die Gipfelrast ist nicht gemütlich bei Nebel und Wind. Wir verweilen nicht lange und machen uns auf die blinde Schleichabfahrt vom Furggulti nach Chiestafel. Dort treffen wir auf eine grosse Gruppe junger Leute, die sich wie wir an den Aufstieg zur Binntalhütte macht. Schneller als die Erinnerung der meisten vorgibt, erreichen wir die altehrwürdige Hütte. Auch hier kommt (noch) nicht Gemütlichkeit auf, denn der Ofen ist noch nicht lange in Betrieb. Es gibt einen frösteligen Mittagschlaf !

Das Nachtessen schmeckt, die Laien-Küchencrew können wir rühmen. Partystimmung will in der kalten Stube nicht recht aufkommen und so verziehen sich die Bergler früh in die Wolldecken, um die Wärme zu suchen (teils ohne sie zu finden!). Manch einer trägt die Mütze die ganze Nacht.

Samstag: Ofenhorn

Starker Wind zieht wie schon die ganze Nacht auch am Morgen noch um die Hütte. Gestärkt nach dem Morgenessen treten wir raus und fahren kurz talwärts ab. Felle aufkleben und los geht’s richtig steil gegen den Tälligletscher. Zuerst öffnet sich nur ein Wolkenloch gegen das Binntal, aber nach und nach verziehen sich auch die letzten Schwaden und ein wunderbarer Tag erwacht traumhaft. Barbara zieht ihre Spur durch die Stille gegen das Hohsandjoch. Genussmomente ! Auf italienischem Boden greifen wir das Ofenhorn von Osten an. Heute dürfen wir die aussergewöhnlich gute Weitsicht voll auskosten: endlos reiht sich ringsum Gipfel an Gipfel. Barbaras Geburtstags – Gipfel !

Nach einem kleinen Malheur mit einem Schi, der sich selbständig gemacht hat, starten wir die eigentliche Abfahrt in die Eggerscharte. Dieser steile herausfordernde Einschnitt, durch den wir die Schier tragen müssen, erreichen wir wieder Schweizerboden und können die fast enttäuschend kurze Abfahrt zur Hütte unter die Latten nehmen. Das Wetter spielt prächtig mit und wir feiern in gemütlicher Runde Geburtstag in der improvisierten <Schneebar>.

Das Nachtessen ist wieder vorzüglich zubereitet. Gelehrig ist das Hüttenteam auch: es hat heute den richtigen Wein temperiert. Der zweite Abend wird etwas länger im Aufenthaltsraum. Der Schlafraum ist jetzt auch angenehmer. Zufrieden dürfen wir auf einen wunderbar geglückten (Geburts)Tag zurückblicken.

Osternsonntag:
Was wäre jetzt die Uhrzeit, wenn noch Winterzeit wäre ? ja, aber … früher? nein später ………

Die üblichen Diskussionen um die Zeitverschiebung sind schon wieder vergessen und jedenfalls kann nach einem gemütlichen Morgenessen und der Verabschiedung mit Lob von der Hüttenwartung pünktlich abgefahren werden. Am Himmel ziehen die ersten Schleierwolken und die Sicht ist nicht gut. Mit dem beissenden Wind ist deutliches Handschuhwetter. Der Aufstieg in den Passo di Valdeserta hat es in sich und die Spitzkehren auf dem mal hartgefrorenen und mal pulvrigen Untergrund lassen die Körpertemperaturen steigen. Nun zeigt sich auch die Sonne, noch listig versteckt in den Wolken. Nach einer kurzen traversierenden Abfahrt mit den Fellen wird der Blick frei gegen den imposanten Spitzturm des Schinhorns. Dort hinauf soll das gehen ?!? Unter einer langgezogenen Gratwächte am Mittelbergpass legt Joni seine Spur. Westlich umgehen wir den Gipfel und schleichen uns von hinten über den abgeblasenen Grat an. Vom Schidepot geht es nur noch kurz zum Gipfel. Wechselnd umhüllt mit Wolkenfetzen gratulieren wir uns auf engstem Raum, denn der Gipfel lässt nicht viel mehr Platz als für unsere Achterbande. Dankbar dafür, dass wir auch das Schinhorn besteigen durften, machen wir uns auf die Abfahrt über die Mässeralp zurück nach Fäld (oder Feld 1), wo unsere Ostertouren ihren Anfang genommen haben. Viel besser als erwartet gestaltet sich auch diese Abfahrt und hat doch einige genüssliche Partien zu bieten.

In fröhlicher Runde in der empfehlenswerten Herberge im Fäld und mit grossem Dank an die Leitung von Joni und Barbara schauen wir dankbar zurück auf gelungene Ostertouren.

Röbu