Nach der Fahrt mit dem vorreservierten Kander-Bus nach Selden, Hotel Steinbock, dem Startkafi auf der Terrasse des Hotels und dem Treffen mit Bergführer Mike Zurbrügg, beginnt die sonnige Bergwanderung aus dem Gasteretal hinauf zum Lötschepass mit dem Gang über die Hängebrücke über die Kander zum anschliessend längeren steilen Aufstieg. Erst wandern wir im Wald hoch zum beeindruckenden Wasserfall des Leitibaches. An ihm vorbei windet sich das Weglein meist im Wald hoch zum nicht mehr geöffneten Berghaus Gfelalp, wo wir eine kurze Pause einlegen.

Allmählich verlassen wir die Baumzone und steigen über Alpweiden weiter an; auf ~ 1988 m biegt der offizielle Weg ab auf eine Flachpassage unterhalb des Kessels Schönbüel - die eine Hälfte wählt diese Variante, während ich mit der andern dem steilen nicht mehr markierten Direktaufstieg über den Rücken folge. Auf P. 2094 vereinigen sich beide Routen wieder; steil steigen wir alle auf grasbesetztem Terrain rechts des Felskessels unter den attraktiven Felsen des Wildelsigegrates auf zur Balme - hier eröffnet sich der traurig stimmende Blick auf den kaum mehr erkennbaren Gletscher, seine bescheidenen Reste sind meist unter grossen Mengen von Geröll versteckt. Während stets mehr Wolken am oberen Ende des Gletschertälchens überm Ferdenrothorn aufziehen, verweilen wir hier für eine etwas ausgedehntere Rast - noch bei Sonnenschein.

Wie wir dann wieder aufbrechen, den Spuren und den aufgestellten Stangen folgend, und uns auf den Lötschegletscher begeben - welcher nur selten kleine Einblicke ins Eis gewährt - verdunkelt sich der Himmel nach und nach. Wir queren auf jenem meist flacher hinüber zum Anstieg zur rechtsseitigen Moräne. Ruppig und rutschig ist der dazu nötige Aufstieg; einfacher der Gang zu P. 2497; hier beginnt die wohl attraktivste Passage des Hüttenzustieges: erst über Felsplatten, danach auf einem Schuttweglein höher zu den nachfolgenden Felsbändern, welche schliesslich zum flacheren Schlussabschnitt leiten.

Hatten wir zuvor noch den erkennbaren Rest des Lötschegletschers unterhalb des Balmhorn-Gitzigrates bewundern können, so setzt auf den paar letzten hundert Metern zur Lötschenpasshütte Nieseln bis leichter Regen ein. Viel Zeit verbleibt uns nun auf der Hütte, um uns einige Stärkung zuzuführen, das weitere Vorgehen zu erörtern - und mich mit Andrea und Beat, den beiden so zuvorkommenden Unterstützern anlässlich meines kleines Unfalles vor einem Jahr auszutauschen.

Auch Mike trudelt später mit seiner Gruppe in der Hütte ein; wir sind beide der Meinung, dass wir heute aufs Hockenhorn verzichten … Wie ich mit meiner Gruppe in und vor der Hütte verweile, das Wetter über längere Zeit beobachte, und den Wetterradar konsultiere, beschliesse ich, anstelle des Horns den neu eingerichteten und markierten Weg, welcher auf kürzestem und einfachsten Weg nach Leukerbad führt, bis zum nahen Übergang unter die Füsse zu nehmen - der nun herrschende Sonnenschein in westlicher Richtung bestärkt mich in meinem Vorhaben.

So machen wir uns auf und folgen erst der Hüttenwasserleitung über Geröll in die Senke zwischen P. 2673 und P. 2676; ab hier steigen wir erst moderat in kombinierten Schutt-Felsgelände an Richtung ehemaligem (Ferdengletscher) - seit dieser „dank“ der Klimaerwärmung abgeschmolzen ist, hat der Wegmacher hier nun einen gut markierten (wrw) Steig (teilweise sogar mit Drahtseilen) eingerichtet. In der zweiten Hälfte des Aufstiegs treffen wir etwas steileres, doch gut begehbares Plattengelände an. Zum Schluss, kurz vor Erreichen der Gitzifurggu, legen wir die letzten Meter im feineren Geröll zurück - oben angekommen, können wir zum Ferdenrot- und Balmhorn hochblicken und in der Ferne sogar Leukerbad erkennen. In der Sonne können wir hier verweilen, unser Passfoto ;-) schiessen, zur Hütte und zum Lötschbergsee hinunterschauen - und zwischen Hocken- und Bietschhorn die mächtige Regenfront im Lötschental erkennen …

Erst noch im Sonnenschein steigen wir auf derselben Route wieder ab; wie wir uns der Lötschenpasshütte nähern, verschlechtert sich auch hier das Wetter wieder. Zeitweise regnet es später leicht, nach dem Abendessen können wir über der Gitzifurggu letztes Rot des Sonnenunterganges beobachten, während überm Bietschhorn schönes Wetterleuchten einsetzt.

Nach den unsicheren Wetterprognosen vom Vorabend setzen wir uns, wie vereinbart, um 6 Uhr zum Frühstück in der Lötschenpasshütte nieder - gemeinsam mit wenigen andern, doch auch mit der grossen Gruppe von Mike. Während des Essens schaue ich mir draussen den Wetterradar an > er zeigt bis gegen Mittag keine Niederschläge an. Zusammen mit der ständigen Wetterbeobachtung seit dem Aufstehen entscheide ich um halb sieben, den Gipfel anzugehen. Noch hängen überm hinteren Lötschental reichlich Wolken, doch von Westen klart es deutlich auf, wie wir um 6.40 Uhr von der Hütte aus starten.

In der Spuren- und Steinmännervielfalt wählen wir uns den passenden Weg über meist felsig-schuttiges Gelände zum Schnittpunkt der beiden Lötschbergtunnel unterhalb der Kantonsgrenze BE-VS. Nach einer guten Viertelstunde - mit rasch zunehmendem Blau über uns - können wir bereits die Spitze des Weisshorns im zarten Rosa erkennen. Länger zieht sich unser Aufstieg - mit moderater Steigung - Richtung Kleinhockenhorn dahin.

Vor und unter diesem weisen hier zahlreiche wbw Markierungen auf die Unterquerung des restlichen Blankeisfirns des kleinen Horns hin; dies bedeutet einen kurzen steinigen Abstieg auf guter Spur sowie einen längeren ruppigen, nicht immer klar erkennbaren, Wiederaufstieg bis wenig unterhalb der Hockenhornlücke, über welche der Winterzustieg erfolgt.

Auf nun meist besseren Spuren legen wir die Passage bis zum Felswändchen unmittelbar vor dem Beginn des WNW-Grates zurück. Oft auf deutlichen Wegspuren, mal etwas kraxlig und hochtrittig, arbeiten wir uns auf dem blockigen Grat hoch - nirgends eigentlich ausgesetzt (ausser man wählt, wie wir, auf den letzten Metern die Variante entlang der hier „grebelig“ abfallenden Nordkante). Nach einem Sprung über zwei grössere Felsblöcke stehen wir auf dem nicht sehr vielen Berggängern Platz bietenden Gipfel des Hockenhorns - noch scheint die Sonne, die Aussicht ist entsprechend gut, die Freude gross.

Auf derselben Route kehren wir, bei zunehmender Bewölkung, zurück zur Lötschenpasshütte; während ich mit Andrea und Beat einen guten Johannisberg (aus Grimisuat) trinke und fachsimple bzgl. Hütten- und Weggeschichten, warte ich auf die abkühlende, sensationelle, Quarkstreuseltorte - sie darf bei keinem Besuch der Hütte fehlen.

Bei nun durchwegs überzogenem Himmel machen sich auch Jumbo und ich (die andern sind bereits vorher aufgebrochen) auf den Weg ins Lötschental. Gut 2 ½ km zieht sich nun der BWW - meist nur flach abfallend oder im steten Auf und Ab dahin; am malerischen Seelein, P. 2633, vorbei leitet der Weg in Fels-Grasgelände am Lötschberg entlang bis nach Sattlegi.

Hier nun beginnt - endlich - der steilere, effizientere - Abstieg zum Zielpunkt unserer zweitägigen Bergwanderung: auf ähnlich geartetem Untergrund leitet der BWW hinunter zum Golmbach, wobei ich auf 2480 m die nicht ausgeschilderte Abkürzung benutze (sie weist verblichene, etwas ältere wie auch eine neue Wegmarkierung auf …).

Ab hier bewegt sich der Weg wieder im nur wenig an Höhe verlierenden Bereich, nach Mälcherbeden folge ich ihm noch bis kurz vor der Wintertransportanlage, danach steige ich weglos über Waldärra ab nach Hubel, P. 2102. Die letzte Strecke - bei nun wieder zunehmenden Sonnenschein - lege ich auf dem WW via Tilgi zurück zur Bergstation der LSB auf Lauchernalp, im Selbstbedienungsrestaurant den Einkehrschwung vollziehend (bis meine Berg- und Clubkameraden, welche den Umweg über das Berghaus Lauchern gemacht haben, auch eintreffen).

unterwegs mit Anna, Ursula, Jumbo, Steve und Thomas